Sonntag, 1. März 2015

Das Schulbuch für das Fach Musik "Komm, sing mit" von 1957 - Teil 2 (Schornsteinfeger[un]wesen)

In meinem Blogbeitrag über mein altes Schulbuch für Musik der 1. bis 4. Klasse, da hatte ich auch ein Beispiel eines Liedes eingescannt, welches mit dem Alltag verbunden war, so wie er in den 50er Jahren erlebt wurde, das Lied vom Schornsteinfeger
(http://barrynoa.blogspot.de/2015/02/das-schulbuch-fur-das-fach-musik-komm.html): „Schornsteinfeger, Schornsteinfeger, komm ins Haus und kehre aus“.



Die Zeichnung neben den Noten zeigt einen Schornsteinfegergesellen, wie man an seiner Kopfbedeckung sehen kann. Bekanntermaßen war und ist das Schornsteinfegerwesen streng zunftmäßig gegliedert, auch damals im Sozialismus war das so. Der Schornsteinfegergeselle, der mußte die Arbeit machen und der Schornsteinfegermeister, der kassierte das Geld. Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war also im Sozialismus keinesfalls abgeschafft.

Wie aus einer alten Zeit mutete und mutet noch heute die Kleidung der Schornsteinfeger an, besonders der Zylinder auf dem Kopf der Meister dokumentiert, wer hier der Herr ist und wer der Knecht (siehe die einfache Kappe der Gesellen). Zu DDR-Zeiten waren, wie auch heute noch, die Kehrbezirke fast schon erblich und so ein damaliger „Bezirksschornsteinfeger“, der hatte finanziell ausgesorgt, während der die Arbeit machende Geselle nur ein dürftiges Gehalt bekam. Kaum ein Bezirksschornsteinfegermeister wohnte in einer einfachen Wohnung, oft waren es teure Villen und besonders ab den 60er Jahren war allgemein bekannt, daß die Stasi immer mitlief, wenn so ein Meister eine Wohnung oder ein Haus zwecks Ofenbeschau besichtigte. Verständlich, denn einen Schornsteinfeger muß man bis in jetzige Zeit ins Haus lassen und er kann sich jeden Raum genau anschauen. Ideal zu allen Zeiten für Spitzelei im Dienste des Staates, deshalb auch bis heute eine „hoheitliche Aufgabe“ des Staates, im Gegensatz zu den anderen Handwerksdienstleistungen.

Allerdings, im Gegensatz zu den unmöglichen Zuständen heutzutage, wo horrende Summen an den Schornsteinfeger zwangsweise bezahlt werden müssen für sinnlose Messungen der CO2-Abgase an allen möglichen Thermen, die das Weltklima nicht retten werden, sondern einzig und allein dazu geschaffen wurden, um den Schornsteinfegern weiterhin ein fettes Einkommen zu sichern, nachdem immer weniger mit Kohle und Holz heizen, sondern mit Öl oder Gas und natürlich die grünen Großmachtfantasien der Mainstreampolitiker befriedigen, die meinen ein so kleines Land wie Deutschland könne durch diesen Mumpitz mit Geldschneiderei das Weltklima beeinflussen, da ging es zu DDR-Zeiten noch nicht so sinnlos zu. Neuerdings kommen außer den Abgasmessungen turnusmäßig noch sogenannte „Feuerstättenbeschauen“ als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für den Schornsteinfeger dazu. So leicht kann man also in Deutschland sein Geld verdienen, wenn man denn auf so einer Stelle sitzt. Allerdings sollte man sich bei so einer Arbeitsstelle gegenüber dem herrschenden System immer schön konform verhalten und nicht wie vor einiger Zeit geschehen, etwa als Mitglied der NPD, in einer nicht verbotenen Partei, politisch in seiner Freizeit tätig sein. Ein Schornsteinfegermeister bekam nur deshalb Berufsverbot! Soviel zur angeblichen Freiheit im heutigen Deutschland!

Für den Kaminkehrerkunden war es zu DDR-Zeiten einfacher und viel preiswerter, denn solche sinnlosen Abgasmessungen und Beschauen gab es nicht, die jetzt mächtig teuer sind und das reine Schornsteinfegen, das war auch preiswert. Ein paar Mark kostete so eine Kehrung und nachdem der Geselle gekehrt hatte, dann ging ein paar Tage später der Meister von Tür zu Tür und kassierte gleich in bar ab. Man sparte sich den Weg zur Bank und das Ausfüllen der Überweisung. Besonders für alte und kranke Menschen lebte es sich also zu DDR-Zeiten viel bequemer. Das wird allerdings unter den Teppich gekehrt und immer nur das Negative zu DDR-Zeiten kommt aufs Tapet.

Ich kann mich noch gut an den Bezirksschornsteinfegermeister von Ziebigk in der alten DDR-Zeit erinnern, ein kleiner alter dicker Mann mit dem besagten Zylinder auf dem Kopf und als Kind stellte ich fest, daß der doch nicht mehr auf eine Leiter klettern könne, geschweige denn auf ein Spitzdach klettern könne, um dort den Schornstein zu kehren. Aber das brauchte er ja auch nicht, dazu hatte er ja seinen Gesellen. Schon merkwürdig, daß bis heute diese dubiose und den Kunden zwangsweise absahnende Berufsgruppe als Glücksbringer gilt und allgemein geachtet wird, wie man auch in einem weiteren Lied in meinem alten Schulbuch sehen kann: „Der Schornsteinfeger meint es gut“, diesmal mit des Bezirksschornsteinfegermeisters-Zylinderhut in der Zeichnung!
 
 

Markus Günther: Nichts ist so gut, wie das Gefühl gegen Rechts zu kämpfen

Ein lesenswerter Kommentar von Markus Günther zu einem FAZ-Artikel vom 12. Februar 2015:

Nichts tut so gut, wie das Gefühl gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Doch hinter der eifrigen Lust, überall die braune Gefahr aufzuspüren, verbergen sich gefährliche Selbsttäuschungen.

Von Markus Günther :

Wolfgang Thierse ließ sich nicht lumpen. Er kam eigens aus Berlin angereist, um das selbstlose Engagement in dem unscheinbaren Örtchen Teterow im Landkreis Rostock zu würdigen. Er lobte die „klare Positionierung gegen Rassismus und Ausgrenzung“, und er versäumte es nicht, darauf hinzuweisen, dass Rechtsextremismus „gerade im ländlichen Raum eine ernstzunehmende Gefahr“ ist. Auch Sylvia Bretschneider, die Landtagspräsidentin, kam nach Teterow und sprach von einem „Ereignis, das seinesgleichen sucht“, und pries das „klare Zeichen gegen Ausgrenzung und menschenverachtendes Verhalten“. Dann konnte es endlich losgehen. Mit kompromissloser Entschlossenheit legte die Politikerin den Ball auf das Tee und eröffnete mit einem beherzten Abschlag das Turnier „Golf gegen Rechts“. Der deutsche Antifaschismus stößt in immer neue Dimensionen vor.

Oft heißt es, Deutschland sei das Volk der Frührentner, der Schadenfrohen, der Besserwisser. Alles Unsinn. Es ist ein Volk von Antifaschisten oder vielleicht besser: der Gegen-Rechts-Aktivisten. Denn Rechts heißt das Zauber-, Schmäh- und Schlusswort schlechthin. Mehr muss man gar nicht sagen und auch nicht wissen. Rechts? Alles klar. Sattelt die Pferde!

Über 200 Initiativen im Kampf „gegen Rechts“ verzeichnet die Bundeszentrale für politische Bildung schon heute, und seit es die AfD und Pegida gibt, werden es immer mehr. Warum, ist klar. Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.

Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.

Das Repertoire ist beträchtlich: Es gibt den Rock gegen Rechts und das Rappen gegen Rechts, natürlich singen und schreien gegen Rechts, aber auch Faschingskostüme gegen Rechts und Fußballspiele gegen Rechts. Die „Grüne Jugend“ in Hamburg lädt regelmäßig zum „Feiern gegen Rechts“, ein politisches Angebot, das übrigens von den jungen Leuten sehr gut angenommen wird, und die Kinder der Klasse 7b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums im westfälischen Warendorf tanzen sogar gegen Rechts – früh übt sich, was ein Antifaschist werden will. Schwer messbar ist dagegen der Erfolg der mutigen Kampagne der DGB-Jugend in Dortmund: „Kein Sex mit Nazis“. Und womöglich vermischen sich unterschiedliche Beweggründe bei der Berliner Initiative „Laut ficken gegen Rechts“.

Zu den pfiffigsten und meistgepriesenen Initiativen gehört die von einem Regensburger Kneipenwirt gestartete Kampagne „Wir bedienen keine Nazis“. Die Idee bestand darin, dass jeder anständige (also: antifaschistische) Wirt über dem Tresen ein Schild aufhängen sollte, das klipp und klar signalisiert: Nazis sind hier nicht willkommen, hier saufen nur anständige Deutsche (und gegebenenfalls ihre ebenso anständigen ausländischen Mitbürger). Die Story wurde dermaßen hochgejubelt, dass sich bald Hunderte von bayerischen Wirten anschlossen und jeder, der sich weigerte, das alberne Schild aufzuhängen, dem Verdacht ausgesetzt war, er freue sich wohl auf Nazis an seinem Tresen.

Kein Bier für Nazis? Geht’s noch? Woran erkennt man die denn, die Nazis, wenn sie eine Kneipe betreten? Soll ich vor der Bestellung meines Radlers eine Ehrenerklärung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ablegen? Oder für Vielfalt und Willkommenskultur? Stehe ich in bayerischen Kneipen unter Nazi-Verdacht, weil ich mir mein klägliches Resthaar aus Verzweiflung kurz geschoren habe?

Der ungeheure Erfolg der Initiative bestand natürlich nicht darin, dass alle Nazis in Bayern auf Kräutertee im heimischen Wohnzimmer umgestiegen wären. Sondern darin, dass die Initiatoren selbst mit Anerkennung überhäuft wurden und einen Menschenrechtspreis nach dem anderen abräumten. Auch katholisch.de, die offizielle Internetseite der katholischen Kirche, bejubelte „Keine Bedienung für Nazis“ als volkspädagogisch besonders wertvoll und stellte fest, es handele sich um einen „Exportschlager“ – denn bald wollten auch die Wirte in Schleswig-Holstein und Sachsen den Aufkleber, weil sich herumgesprochen hatte, dass man damit in die Lokalpresse kommt, und weil es jetzt alle machen und überhaupt. Die evangelische Kirche setzte gleich ein Zeichen gelebter Ökumene und verlieh den Wirten gegen Rechts den Martin-Luther-Preis. Die aberwitzige Pointe ist, dass die falschen Antifaschisten so mit einem Preis geehrt wurden, der nach einem echten Antisemiten benannt ist.

Oder ist das sogar mehr als nur eine Pointe? Könnte es sein, dass hinter dem ganzen antifaschistischen Eifer noch etwas anderes steckt: die Sehnsucht nach Entsühnung? Sind wir nicht alle historisch exkulpiert, wenn wir nur in der Gegenwart anständige Antifaschisten sind?

Sicher, hier stößt die schönste Polemik an ernstzunehmende Grenzen. Denn aus der historischen Schuld einen Auftrag für die Zukunft zu machen ist natürlich nicht falsch, sondern zwingend notwendig. „Nie wieder!“ und „Wehret den Anfängen!“ sind heute so richtig und wichtig wie eh und je. Doch die Frage ist: Was genau heißt das eigentlich? Was ist Antifaschismus? Wie lässt sich die historische Erfahrung eines Totalverlustes aller moralischen Maßstäbe auf die politische Gegenwart übertragen? Mit Rock gegen Rechts? Mit Sprüchen wie „Nazis raus“? Wohl kaum.

Hinter dem antifaschistischen Eifer stecken gefährliche Selbsttäuschungen. Lupenrein und lehrbuchhaft zeigt sich hier der Dreiklang neurotischer Störungen: Verdrängung, Abspaltung, Übertragung. Denn das ist ja das einzig greifbare Ergebnis des ständig medial angefeuerten Antifaschismus: Schuld und Verantwortung liegen bei den anderen, man kann sie weit von sich schieben und sich einbilden, man habe mit alldem nichts zu tun. Kein Wunder, dass kleine Kinder, wenn sie das erste Mal von „Nazis“ hören, an Tiere oder Außerirdische, mindestens aber an Ausländer denken. Im Geschichtsbewusstsein der Heutigen klingt es ja auch immer gleich so, als seien diese schlimmen Nazis eines Tages von außen über Deutschland hereingebrochen wie eine Heuschreckenplage. Verhallt ist dagegen die eindringliche Mahnung Klaus von Dohnanyis, Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi, über Hitler wie über ein Mitglied der eigenen Familie zu denken und nicht wie über ein Monster: „Hitler war eine Katastrophe, aber keine Naturkatastrophe.“ Er müsse, wohl oder übel, „unser Hitler“ bleiben. Noch radikaler war nur Max Picard, der schon 1946 die – leider längst in Vergessenheit geratene – Frage nach „Hitler in uns selbst“ stellte. Da wird es dann ungemütlich.

Es ist viel leichter, „Nazis raus“ zu brüllen, als der Frage auf den Grund zu gehen, wie widerstandsfähig das eigene Gewissen heute ist und ob es nicht schon in den kleinsten Herausforderungen des Alltags, zumal im Unternehmen, am Arbeitsplatz, unter dem Erwartungsdruck einer sozialen Gruppe oder eines Vorgesetzten, allzu oft den Weg in den kommoden Selbstbetrug weist. Selbst die ganz naheliegende Frage, was Vater oder Großvater damals eigentlich genau gemacht haben, ist in den meisten Familien bis heute unbeantwortet. Makrohistorisch ist das „Dritte Reich“ gründlich untersucht worden; im Mikrokosmos der eigenen Familie dominieren bis heute Vergessen, Verdrängen, Verleugnen. Könnte der antifaschistische Eifer der Nachgeborenen auch damit zu tun haben?

Doch es gibt noch ein anderes Problem: Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.

Stolz und frohgemut berichtete die Berliner „Antifa“ vor wenigen Monaten, dass sie eine Apotheke in Neukölln gründlich demoliert habe. Der Besitzer hatte öffentlich mitgeteilt, aus Gewissensgründen keine „Pille danach“ abzugeben. Dem „Moralisten, Fundamentalisten und Faschisten“ hat es die Antifa dann mal richtig gezeigt. Auch dem „Bundesverband für Lebensrecht“ in Berlin haben die wackeren Antifaschisten in bester deutscher Tradition die Schaufenster zertrümmert und Parolen auf die Hauswand gesprüht. Abtreibungsgegner beim jährlichen „Marsch für das Leben“ werden immer wieder von Gegendemonstranten als Faschisten beschimpft. Jeder, der ein rohes Hühnerei in die Demo wirft, darf sich einmal fühlen wie Stauffenberg im Kampf gegen Hitler – doch der Vergleich hinkt: Stauffenberg war ja auch irgendwie Rechts, oder?

Bei dem zwanghaften Versuch, immer und überall die braune Gefahr aufzuspüren (um sich dann in moralischer Empörung dagegen auflehnen zu können), kommt es immer wieder zu wüsten gedanklichen Verirrungen und haarsträubenden Fehlurteilen. Da ist dann schnell mal der Jude Benjamin Netanjahu ein Faschist, weil er die Palästinenser drangsaliert, aber auch Barack Obama ist einer, weil er mit Drohnen gegen Terroristen kämpft, die ihrerseits auch irgendwie Rechts sind, weil sie ja die Juden und die freie Welt hassen. Wladimir Putin ist sowieso Faschist, weil er die Krim annektiert und was gegen Schwule hat. George W. Bush, überhaupt die Republikaner in den Vereinigten Staaten, erst recht die Tea Party – der Begriff Faschismus hat sich unendlich ausgedehnt und dabei einen enormen Werteverfall erlebt.

Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten.

Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!“ Vielleicht nicht direkt, aber indirekt, denn schließlich führten die schlechten „Unterkünfte für Asylbewerber, die rassistischen Polizeikontrollen und das fehlende Freizeitangebot“ – so die „Alternative Dresden“ in einer Erklärung – zur Traumatisierung der Bewohner und dann, im Einzelfall, logischerweise auch zu Gewalttaten unter Asylbewerbern. So ist die antifaschistische Welt am Ende doch wieder in Ordnung – und der Kampf gegen Rechts, so stellt man selbstzufrieden fest, ist auch hier wieder ein mutiges und notwendiges Zeichen gewesen, ja ein unmissverständliches Signal, dass man den Rechten nicht weichen wird.

Bleibt zum Schluss nur noch nachzutragen, wie das Turnier „Golf gegen Rechts“ ausging. 4100 Euro kamen an Startgeldern und Spenden zusammen und konnten dem FC Rostock für Trainingsprogramme zur Verfügung gestellt werden, in denen bevorzugt Kinder aus Asylbewerberheimen Fußball lernen sollen. Golf als Zweitsport kann ja später noch hinzukommen. Und das jährliche Turnier „Golf gegen Rechts“ hat sich um den „New Golf Award 2015“ beworben. Ausgezeichnet werden dabei die innovativsten Ideen für ein neues Golf-Turnier.

Kein Happy End war dagegen den Regensburger Wirten im Kampf gegen Nazis am Tresen vergönnt. Über die Frage, wem von ihnen die Preisgelder aus den zahlreichen Zivilcourage-und Menschenrechtspreisen zustehen, gerieten sie in Streit und prozessierten gegeneinander vor Gericht.

Markus Günther

Samstag, 28. Februar 2015

Frühling am 28. Februar 2015

Kalendarisch haben wir heute noch Winter, aber wenn die Schneeglöckchen blühen und die Fische im Teich oben schwimmen, dann ist für mich Frühling! Wer es nicht glaubt, daß dies bei mir so ist, für den Fotos, eben aufgenommen. Allerdings, das erste Foto zeigt keinen Frühjahrsblüher, die hübschen roten Früchte hängen noch vom vorigen Jahr an diesem Strauch und haben den Winter gut überstanden - ein roter Farbfleck im ansonsten noch tristen Garten.





 

Freitag, 27. Februar 2015

Das Schulbuch für das Fach Musik "Komm, sing mit" von 1957 - Teil 1

Es ist schade, daß nach der Wende 1989/90 soviel Bewahrenswertes aus DDR-Zeiten auf den Abfall geschmissen wurde. Da denke ich z.B. an unsere Bücher.

Ein Buch ist mir immer noch besonders lieb und teuer, und zwar ist es mein altes Schulbuch für die 1. - 4. Klasse des Faches Musik, "Komm, sing mit". Es erschien 1957 und ist wunderbar gemacht. Allein die Illustrationen (von Heinz Rodewald und Rudolf Grapentin) sind zauberhaft und noch heute erfreue ich mich an ihnen, zeigen sie doch die Welt der 50er Jahre in der DDR, die eine helle Zeit des Aufbruchs war, sozusagen: Auferstanden aus Ruinen nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs! Aber auch die Lieder darin, die sind nicht nur einfache Kinderlieder, sondern sie vermitteln Liebe zur Heimat, zur Natur und zu Tieren. Wer singt diese Lieder heute noch? Keiner! Zu Unrecht vergessen! Stattdessen nur dieser Westdreck und all das widerliche amerikanische Zeugs! Ich werde mal einige Seiten aus diesem Schulbuch einscannen, damit vielleicht dem Vergessen entreissen.


Das Buchcover: So war es in den 50er Jahren. Man lief im Hochsommer oft barfuß und die Milch wurde in so einer Milchkanne vom Milchhändler geholt, wie sie das Mädchen in der Hand hat, siehe dazu auch: http://barrynoa.blogspot.de/2012/05/dessau-ziebigk-in-den-50er-jahren-von.html

Typische Stadtszene der 50er Jahre: Die Städte waren zerbombt, aber überall wurde gebaut. Nur ein paar Häuser standen noch, wie rechts zu sehen, und dort gab es auch noch einen Leierkastenmann, den man in den 60er Jahren dann leider nicht mehr im Straßenbild sah.

Typische ländliche Szene der 50er Jahre mit einem Weiher, einem Weidenbaum, einem Pferdefuhrwerk im Hintergrund, aber auch schon mit einem Traktor! Alles noch vor der natur-und tierfeindlichen Zeit der industriellen Landwirtschaft in der DDR.

Innerer Buchtitel

Zauberhafte Zeichnung, die Kindern hohes und tiefes Singen sehr gut vermittelte, so daß es haften blieb.

Fast alle Lieder waren mit dem Alltag verbunden, so wie er in den 50er Jahren erlebt wurde.
 

Donnerstag, 26. Februar 2015

Blumenstilleben von Zofia Wojciechowska-Grabska

Eigentlich kenne ich sehr wenig von der polnischen Malerin Zofia Grabska (1905-1992), siehe: http://pl.wikipedia.org/wiki/Zofia_Wojciechowska-Grabska, aber ein Bild finde ich wundervoll. Gerade in der blumenarmen Winterzeit, wie jetzt Ende Februar, da erfreue ich mich besonders an Blumen auf Bildern und möchte auch die Blogleser an diesem wundervollen hellen Blumenstilleben aus dem Jahre 1977 von Zofia Grabska teilhaben lassen:

Dienstag, 24. Februar 2015

Begehrtes Motorrad in den 50er Jahren: 350er Jawa

Als Jugendlicher war ich kein besonderer Motorradfan, besaß auch nie ein Moped oder ein Motorrad, aber als Kind fand ich die 350er Jawa ganz toll und ich beneidete die jungen Burschen die in den 50er Jahren in ihren schwarzen Lederjacken auf so einer Jawa durch die Stadt knatterten. Im Gegensatz zu der biederen MZ aus DDR-Produktion hat die tschechoslowakische Jawa auch einen ganz eigenen tollen Klang. 

Lange habe ich im Straßenbild keine Jawa mehr gesehen, bis dieser Tage. Sie war abgestellt in meiner Nähe und ich konnte nicht umhin von ihr ein paar Fotos zu machen. Toll, wie gepflegt diese alte Maschine noch ist und für Motorradfans und Nostalgiker hier die Fotos: 







Sonntag, 22. Februar 2015

Zum Sonntag einen Blumengruß per Foto

Bei vielen Menschen ist es üblich, sich am Wochenende einen Blumenstrauß zu kaufen und sie erfreuen sich an ihm besonders am Sonntag, wenn er schon zum Frühstück auf dem Tisch in einer schönen Vase steht. Nun, ich mache das auch öfter, aber dieses Wochenende habe ich keinen Blumenstrauß gekauft. Stattdessen erfreue ich mich an einem Foto eines Gerbera-Straußes in einer Vase an einem Fenster. Wer das Foto gemacht hat, weiß ich nicht, ich fand es anonym auf einer bunten Seite im Netz und fand es wundervoll. Ein großartiges Foto! Und ich möchte meine Leser an dieser Schönheit teilnehmen lassen. Hier ist es: